Hormontherapie: Unterstützung bei Kinderwunsch

Hormonstörungen wie z.B. PCOS oder eine reduzierte Fruchtbarkeit mit zunehmendem Alter der Frau können die Kinderwunschpläne von Paaren durchkreuzen. Welche Hormontherapien bei Kinderwunsch helfen können, erfahren Sie im Folgenden.

  • Baby in Handtuch eingewickelt.
    istockphoto.com/NataliaDeriabina

Viele Paare planen ihren Kinderwunsch heute sehr genau. Nicht selten befindet sich besonders die Frau dann bereits im letzten Viertel ihrer Fruchtbarkeit – die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft sinkt. Aber auch jüngere Frauen, die an Hormonstörungen wie z.B. dem PCO-Syndrom leiden, versuchen oft lange erfolglos, schwanger zu werden. Eine Hormontherapie kann in solchen Fällen eine Alternative sein.

Hormone – wichtige Botenstoffe im Körper

Hormone sind Botenstoffe, die viele verschiedene Vorgänge in unserem Körper regeln. Der weibliche Zyklus wird z.B. durch ein komplexes Zusammenspiel von Hormonen bestimmt, die zum Teil in Bereichen des Gehirns und teilweise in den Geschlechtsorganen, wie den Eierstöcken und der Gebärmutter, produziert werden. Im Rahmen einer Hormontherapie, z.B. bei Kinderwunsch, werden diese Botenstoffe dem Körper in Form von Tabletten, Kapseln, Gelen oder Injektionen zusätzlich verabreicht. Es gibt auch Wirkstoffe, wie z.B. Clomifen, die die hormonähnliche Wirkung entfalten, aber keine Hormone oder verwandte Botenstoffe sind.

  • Illustration: Überblick weibliche Hormone.

Die wichtigsten Hormone des weiblichen Zyklus und für eine Schwangerschaft:

  1. GnRH (Gonadotropin Releasing Hormone):

    GnRH ist ein übergeordnetes Hormon, das vom Gehirn aus die restlichen Geschlechtshormone steuert.

  2. FSH (Follikel-stimulierendes Hormon):

    FSH fördert das Wachstum von Follikeln. Ein Follikel, auch Eibläschen genannt, besteht aus der Eizelle und den umgebenden Hilfszellen. FSH sorgt dafür, dass sie zu reifen Follikeln werden und eine Eizelle in den Eileiter entlassen können.

  3. LH (Luteinisierendes Hormon):

    LH ist wesentlich am Eisprung beteiligt und sorgt danach dafür, dass das restliche Follikelgewebe am Eierstock zum Gelbkörper umgebaut wird. Dieses nennt sich in der Fachsprache Corpus luteum, woher das Luteinisierende Hormon seinen Namen hat.

  4. Östrogen:

    Es ist das zentrale weibliche Geschlechtshormon, maßgeblich beteiligt an der Koordination des regelmäßigen Zyklusgeschehens. Seine Hauptaufgabe ist die Förderung des Wachstums der Gebärmutterschleimhaut.

  5. Progesteron:

    Progesteron wird vor allem vom Gelbkörper in der zweiten Zyklushälfte produziert. Es verursacht eine Umwandlung der Gebärmutterschleimhaut, damit sich ein Embryo einnisten könnte. Für eine erfolgreiche Schwangerschaft ist es essentiell.

  6. hCG (humanes Chorion-Gonadotropin):

    hCG wird von der Plazenta produziert, wenn sich ein Embryo in der Gebärmutter eingenistet hat. Es signalisiert dem Körper, dass sich eine Schwangerschaft entwickelt hat und verhindert so weitere Eisprünge. Es fördert die Progesteronproduktion im Gelbkörper, was ebenfalls schwangerschaftserhaltend wirkt.

Warum ist eine Hormontherapie bei Kinderwunsch sinnvoll?

Eine Hormontherapie kommt für Frauen in Frage, die nach einem Jahr mit regelmäßigem Geschlechtsverkehr ohne Verhütung nicht schwanger geworden sind und einen Kinderwunsch hegen. Ist die Frau bereits über 35 Jahre alt, empfehlen Ärzte, nur 6 Monate abzuwarten, um keine wertvolle Zeit zu verlieren. Wichtig ist, dass mögliche körperliche Ursachen für die Unfruchtbarkeit vor einer Hormontherapie abgeklärt und wenn möglich beseitigt werden. Auch die Qualität des männlichen Spermas sollte vorher begutachtet werden.

Bei einer Hormontherapie werden die für eine Schwangerschaft notwendigen hormonellen Voraussetzungen (wieder) hergestellt. Die Behandlung orientiert sich an der individuell vorliegenden Hormonstörung: Die Reifung der Eizellen und der Eisprung können beispielsweise durch eine Hormongabe unterstützt werden. Auch eine gezielte Förderung der Gelbkörperphase kommt in Betracht

Ebenso können Frauen, die an einem hormonellen Ungleichgewicht leiden und z.B. zu viele männliche Hormone oder zu viel Östrogen bilden, auch unabhängig von einem Kinderwunsch von einer Hormontherapie profitieren.

Vor einer künstlichen Befruchtung wird die Frau in der Regel auch mit Hormonen behandelt, um die bestmöglichen Chancen für eine erfolgreiche Schwangerschaft zu schaffen.

Was passiert bei einer Hormontherapie bei Kinderwunsch?

Wenn Sie bereits seit längerer Zeit versuchen, schwanger zu werden, wird Ihr Frauenarzt oder Ihre Frauenärztin sich mit Ihnen auf die Suche nach der Ursache begeben. Durch die Beobachtung des Zyklus, der Bestimmung der Hormonwerte im Blut und mittels Ultraschalluntersuchungen lässt sich z.B. eine Eizellreifungsstörung oder eine unzureichende Gelbkörperphase feststellen. Je nachdem, welche Hormone fehlen oder zu viel produziert werden, wird die Therapie entsprechend angepasst. Während der Behandlung wird über regelmäßige Untersuchungen kontrolliert, ob die Hormontherapie greift und die gewünschte Wirkung zeigt. Auch über eventuelle unerwünschte Nebenwirkungen wird Ihr Arzt oder Ihre Ärztin Sie aufklären.

Bei der Hormontherapie werden folgende Hormone häufig eingesetzt:

  1. Der Wirkstoff Clomifen steigert die Eizellreifung in den Eierstöcken. Es wird insbesondere eingesetzt, wenn ausbleibende Eisprünge der Grund für die eingeschränkte Fruchtbarkeit sind oder wenn auch nach gründlicher Untersuchung beider Partner keine Ursache gefunden werden konnte. Da eine Stimulationstherapie zu Mehrlingsschwangerschaften führen kann, muss bei jeder Clomifenbehandlung vor dem Eisprung ein Ultraschall gemacht werden (Zyklustag 9-12).

  2. Mit der Gabe des Follikel-stimulierenden Hormons (FSH) regt man ebenfalls die Eizellreifung an. Dies wird meist dann notwendig, wenn die Patientin auf die Behandlung mit Clomifen nicht reagiert und betrifft etwa 20-25% der Frauen.

  3. Mittels des humanen Choriongonadotropins (hCG) lässt sich der Eisprung gezielt auslösen. Die Eizellen können dann für eine künstliche Befruchtung entnommen werden oder der Geschlechtsverkehr kann passend zum Zeitpunkt der Ovulation stattfinden.

  4. GnRH-ähnliche Wirkstoffe helfen, den Zyklus noch genauer zu steuern: Der beste Zeitpunkt für eine Eizellentnahme für die künstliche Befruchtung lässt sich so exakt planen.

  5. Progesteron unterstützt die Gelbkörperphase. Bei manchen Hormontherapien, insbesondere mit GnRH-ähnlichen Wirkstoffen, wird die Gelbkörperphase gestört. Progesteron wird daher bei diesen Behandlungen in der zweiten Zyklushälfte angewendet.

Nach der Hormonbehandlung: Künstliche Befruchtung

Nicht nur für Frauen mit Hormonstörungen ist eine künstliche Befruchtung empfehlenswert: Weist das Sperma des männlichen Partners Defizite auf, ist beispielsweise die Beweglichkeit der Spermien eingeschränkt, erhöhen die Methoden der künstlichen Befruchtung ebenfalls die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft. Die künstliche Befruchtung kann außerdem bei Frauen mit Eileiterverschluss oder Endometriose genutzt werden.

Durch eine Hormonbehandlung wird die Eizellreifung angeregt und der Zeitpunkt des Eisprungs gesteuert. Danach werden Eizellen für eine künstliche Befruchtung (IVF = in-vitro Fertilisation) entnommen.

Bei der In-Vitro Befruchtung werden die reifen Eizellen mit einer feinen Nadel aus dem Eierstock gesaugt, außerhalb des Körpers mit den Samenzellen zusammengebracht und der Frau nach 2-3 Tagen wieder eingesetzt. Bei der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) wird das Spermium hingegen unter dem Mikroskop direkt in die Eizelle injiziert. So befruchtete Eizellen können auch tiefgefroren und später erst verwendet werden.