Blasenentzündung und andere Harnwegsinfekte

Häufiger Harndrang und Schmerzen beim Wasserlassen kennzeichnen eine Blasenentzündung. Die wichtigsten Fakten zu dieser und ähnlichen Erkrankungen lesen Sie hier.

  • Frau liegt mit Wärmflasche auf dem Bauch.
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Was ist eine Blasenentzündung?

Als Blasenentzündung oder auch Zystitis bezeichnet man die Entzündung der Blasenschleimhaut, manchmal auch der gesamten Blasenwand. In der Regel ist auch die Harnröhre mit betroffen. Die Entzündung entsteht durch das Eindringen von Keimen. Meistens sind es Bakterien (z.B. Escherischia Coli), seltener können auch Viren oder Parasiten eine Blasenentzündung verursachen.

Die Folgen sind

  • häufiger, starker Harndrang
  • Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen und in der Blase
  • beim Toilettengang kann nur wenig Urin gelassen werden.
  • Illustration: Blasenentzündung.
    Der weibliche Harntrakt bestehend aus Harnröhre, Harnblase, Harnleiter und Niere

Verschiedene Arten von Blasenentzündung

Blasenentzündungen lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen: Ist sie akut, also frisch aufgetreten, oder bereits chronisch? Von einer chronischen Blasenentzündung spricht man, wenn innerhalb von sechs Monaten insgesamt zwei oder mehr Infekte der Harnblase aufgetreten sind.

Außerdem unterscheiden Mediziner eine unkomplizierte von einer komplizierten Harnwegsinfektion. Diese Einschätzung ist sehr wichtig: Bei einem komplizierten Harnwegsinfekt hat die Patientin bereits andere Vorerkrankungen wie z.B. Harnsteine, einen schlecht eingestellten oder entgleisten Diabetes mellitus oder eine Immunschwäche. Auch, wenn die Organe des Harntraktes nicht normal ausgebildet sind oder eine Nierenfunktionsstörung vorliegt, spricht man von einem komplizierten Harnwegsinfekt.

Unser Körper ist darauf angewiesen, permanent Stoffwechselprodukte und Schadstoffe über Nieren und Blase auszuscheiden. Außerdem reguliert er so die Flüssigkeitsmenge im Körper. Sind diese Organe in ihrer Funktion eingeschränkt, belastet das auf Dauer den gesamten Organismus. Daher ist es für den Arzt wichtig einzuschätzen, inwieweit der Harnwegsinfekt unkompliziert ist oder ob auch andere Erkrankungen oder Umstände in die Beurteilung einbezogen werden müssen.

Nierenbeckenentzündung: Eine Folge aufsteigender Bakterien

Aus einer Blasenentzündung kann sich eine unangenehme Nierenbeckenentzündung, eine sogenannte Pyelonephritis, entwickeln. Dabei steigen die Keime durch die Harnleiter auf und infizieren die Nieren. Viele Patienten leiden dann unter Fieber und Rückenschmerzen.

Wie wird eine Harnwegsinfektion diagnostiziert?

Sie haben die klassischen Symptome mit starkem Harndrang, häufigem Wasserlassen und Brennen in der Harnröhre oder Schmerzen in der Blase? Konsultieren Sie auf jeden Fall einen Arzt. Neben einer körperlichen Untersuchung kann hier auch der Urin begutachtet werden.

Die rechtzeitige und richtige Diagnose und Behandlung einer Blasenentzündung sind wichtig! Sonst kommt es ggf. zu einer Nierenbeckenentzündung oder einer chronischen Entzündung der Harnblase. Ist dies der Fall, kommen weitere Untersuchungen wie z.B. Ultraschall zum Einsatz. Im Falle einer Nierenbeckenentzündung wird auch eine Urinkultur angelegt. Dabei werden Bakterien, die im Urin enthalten sind, auf einem Nährboden angezüchtet. So kann der Arzt bestimmen, welche Behandlung am besten wirkt.

Behandlung von Blasenentzündungen

Eine unkomplizierte Blasenentzündung heilt in 30-50% der Fälle von allein aus. Es kann also sein, dass Sie mit einigen Maßnahmen, die die Blase unterstützen (siehe Blasenentzündungen vorbeugen) und einem leichten Schmerzmittel gegen die unangenehmen Begleiterscheinungen bestens versorgt sind. Wird gleichzeitig ein passendes Antibiotikum verschrieben, gehen die Symptome schneller zurück und die verursachenden Keime können sicher abgetötet werden. Allerdings kann ein Antibiotikum auch mehr Nebenwirkungen mit sich bringen und die Resistenz von Bakterien gegen diese Medikamente fördern. Daher ist es sinnvoll, wenn im Labor geprüft wird, welches Antibiotikum gut gegen die verursachenden Bakterien wirkt. Ob ein Schmerzmittel ausreichend ist oder ob eine antibiotische Behandlung notwendig wird, das wägt ihr Arzt daher nach der Untersuchung ab.

Ist aus dem Infekt bereits eine Nierenbeckenentzündung geworden, sollte diese so früh wie möglich mit einem passenden Antibiotikum behandelt werden. Je länger und stärker die Niere infiziert ist, desto mehr kann das Organ Schaden nehmen.

Ursachen einer Blasenentzündung

Es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko erhöhen, an einem Harnwegsinfekt zu erkranken.

  1. zu wenig Flüssigkeit: Sie sollten unbedingt genug trinken, besonders Wasser. Dann wird Ihre Blase regelmäßig gut durchgespült und es können sich keine Keime darin festsetzen.

  2. falsche Wischtechnik: Wischen Sie nach dem Toilettengang immer von vorn nach hinten, nie umgekehrt. Andernfalls können Darmbakterien in Vagina und Harnröhre gelangen.

  3. Schwangere, Frauen mit Hormonstörungen oder in den Wechseljahren sind eher von einer Blasenentzündung betroffen: Der pH-Wert in der Scheide verändert sich durch die hormonelle Umstellung und Keime aus dem Darm haben so die Chance, die Haut bzw. Schleimhaut von Scheide und Harnblase zu besiedeln.

  4. Erregerübertragung durch Geschlechtsverkehr: Beim ungeschützten Sex oder beim Wechsel von Anal- auf Vaginalverkehr können fremde Keime in die Scheide gelangen und von dort die Harnwege erreichen. Auch das Verhüten mit Diaphragma oder Spermiziden kann das Entstehen einer Blasenentzündung begünstigen.

  5. Harnabflussstörungen: Wenn aufgrund von z.B. Blasensteinen der Urin nicht gut abfließen kann, bildet sich Restharn. Eine kleine Menge Flüssigkeit bleibt in der Blase zurück und darin fühlen sich Keime wohl.

  6. geschwächtes Immunsystem: Wenn Sie viel Stress haben oder ihr Immunsystem anderweitig beeinträchtigt ist, kann es sich manchmal nicht ausreichend gegen eindringende Keime zur Wehr setzen.

  7. Unterkühlung: Klamme Badekleidung, kalte Steinplatten und ähnliches sollten Sie Ihrer Blase nicht zumuten! Die Schleimhäute werden dann schlechter durchblutet und damit sinkt ihre Abwehrfähigkeit.

Außerdem steigt die Gefahr von Harnwegsinfekten, wenn bereits einmal eine Blasenentzündung durchgemacht wurde oder wenn andere Familienmitglieder ebenfalls anfällig dafür sind. Und auch, wenn der erste Harnwegsinfekt vor dem 15. Lebensjahr stattgefunden hat, steigert dies die Wahrscheinlichkeit, später erneut daran zu erkranken.