Die gesunde Scheidenflora und ihre Funktion

Über gute Bakterien und die richtige Balance

Eine gesunde Scheidenflora schützt vor unliebsamen Infektionen. Allerdings ist sie auch anfällig für Störfaktoren.

  • Frau hält Steine in der Hand.
    istockphoto.com/NataliaDeriabina

Was ist die Scheidenflora?

Die Haut der weiblichen Scheide (oder auch Vagina) wird durch Schleimdrüsen im Gebärmutterhals und durch geringe Mengen Flüssigkeit befeuchtet, die durch die Scheidenwand austreten. Auf der Scheidenhaut siedelt in einer gesunden Scheide eine einzigartige Kombination aus sehr vielen verschiedenen Bakterien. Darunter sind solche, die Sauerstoff benötigen, um zu überleben (aerobe Bakterien), aber auch Keime, die ohne Sauerstoff auskommen (anaerobe Bakterien).

Die Scheidenflora entsteht meist durch Bakterien, die aus dem Darm und von der normalen Haut einwandern. Den größten Anteil bilden sogenannte Laktobazillen, also Milchsäurebakterien. Sie werden nach ihrem Entdecker auch „Döderlein-Bakterien“ genannt. Durch die von ihnen gebildete Milchsäure entsteht in der Scheide ein niedriger pH-Wert von 3,8 bis 4,5, der vor krankmachenden Eindringlingen schützt. (Sie übernehmen auch noch andere wichtige Aufgaben in der Scheide, mehr dazu finden Sie hier.)

Neben den Laktobazillen leben aber auch noch sehr viele verschiedene andere Bakterien in der Scheide. Manche von ihnen können auch Krankheiten verursachen, wenn sie in entsprechend großer Anzahl auftreten. In ihrer normalen Konzentration aber sind sie in der Scheide ungefährlich.

  • Illustration Scheidenflora.
    Die Scheidenflora

Man kann die Vaginalflora als eine Art stabiles Ökosystem betrachten, in dem verschiedene Spezies im Gleichgewicht leben. Sie ist aber nicht immer gleich zusammengesetzt: Voraussetzung für das Überleben der Laktobazillen ist das Hormon Östrogen. Sinkt seine Konzentration etwa in den Wechseljahren stark ab, geht die Dominanz der Laktobazillen zurück, stattdessen übernehmen Stäbchen- und Kugelbakterien, auch Kokken genannt, als sogenannte Mischflora das Feld. Da diese Bakterien keine Milchsäure produzieren, steigt dann normalerweise auch der pH-Wert in der Scheide an.

Wofür ist die Scheidenflora wichtig?

Die Scheidenflora dient vor allem der Gesunderhaltung des Organs: Ist sie intakt und stabil, schützt sie die Scheide vor Infektionen oder Fehlbesiedlung mit krankmachenden Keimen. Eine gesunde Scheidenflora bewahrt Sie beispielsweise vor Scheidenpilz und kann Harnwegsinfektionen vorbeugen.

Mittlerweile weiß man außerdem: Für Babys ist bei einer vaginalen Geburt die Scheidenflora der Mutter der erste Kontakt zu Bakterien und dient einer gesunden Erstbesiedelung von Babys Haut und Darm. Diese schützt das Kind vor Allergien und dem Befall mit krankmachenden Keimen.

Durch welche Faktoren wird die Scheidenflora beeinflusst?

Verschiedene Ereignisse und Vorgänge können die Scheidenflora verändern oder stören, darunter:

  1. Hormone: Jede hormonelle Umstellung im weiblichen Körper, von der Pubertät über eine Schwangerschaft bis hin zu den Wechseljahren beeinflusst, die Scheidenflora und die Scheidenhaut. Danach dauert es meist ein wenig, ehe sich wieder ein Gleichgewicht in der Scheide hergestellt hat. Daher sind Frauen zum Beispiel während einer Schwangerschaft anfälliger für Harnwegsinfektionen oder Scheidenpilz.

  2. Durch Geschlechtsverkehr werden immer auch Keime aus dem Darm und natürlich Sperma, welches einen alkalischen pH-Wert hat, in die Scheide hineingetragen, dies kann die Scheidenflora ebenfalls beeinträchtigen.

  3. Richtige Intimpflege ist sehr wichtig, denn aggressive Duschgels und die falsche Wischtechnik nach dem Toilettengang sind eine Herausforderung für die gesunden Bakterien in der Scheide. Umfangreiche Tipps zur Intimpflege finden Sie hier.

  4. Chronische Erkrankungen wie etwa Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) beeinflussen die Scheidenflora negativ und erhöhen so das Risiko für zum Beispiel Scheidenpilz-Erkrankungen.

  5. Außerdem gibt es Medikamente, die einen Effekt auf die Scheidenflora haben können, allen voran Antibiotika: Diese töten nämlich leider nicht nur die krankheitsauslösenden Bakterien, sondern oft auch die erwünschten Milchsäurebakterien in der Scheide. Auch Chemotherapeutika, die im Rahmen einer Krebsbehandlung verabreicht werden, greifen die Scheidenhaut an, wovon auch die Scheidenflora nicht unberührt bleibt.

Das tägliche Leben macht’s

Für die sensible Scheidenflora ist auch Ihr Lebensstil von Bedeutung: Schlafen Sie ausreichend, ernähren Sie sich möglichst ausgewogen und trinken Sie genügend, insbesondere Wasser. Regelmäßige Bewegung, frische Luft und Licht unterstützen ebenfalls Ihre allgemeine Gesundheit – und damit auch Ihre Scheidenflora! Wenn Sie hingegen oft müde und gestresst sind, beeinflusst das Ihr Immunsystem negativ und es verliert an Widerstandskraft.

Wenn die Balance verlorengeht

Sie haben nun bereits gelesen, welche Faktoren die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht bringen können. Aber was geschieht in diesem Moment? Die vorherrschenden, gesunden Bakterien nehmen in ihrer Anzahl oder Aktivität ab, können also zum Beispiel nicht mehr ausreichend Milchsäure produzieren. Womöglich krankmachende Keime vermehren sich ungebremst und besiedeln die Scheidenhaut. Die Folge kann eine bakterielle Vaginose oder ein Scheidenpilz sein, auch Harnwegsinfektionen wie eine Blasenentzündung werden dadurch begünstigt.

Wie Sie Ihre Scheidenflora nach so einem Ereignis wieder aufbauen können und womit sie in stressigen Zeiten unterstützt werden kann, erfahren Sie hier.